von Michl Kraeftner am 24.8.2015

Ursprünglich war mit Flo ja unser erster gemeinsamer bordairline Bewerb in Donnersbach vereinbart. Aber erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt…

Flo im Zustieg

Flo im Zustieg…

Je näher das Wochenende mit seiner immer besser werdenden Wetterprognose rückte (und beim Fliegen brauchst wirklich gutes Wetter), umso weniger interessierte mich dieses 33 Stunden Rennen. Zum Klettern ist es einfach perfekt- also rein mit dem ganzen Zeug ins Auto und ab ins Valsertal!
Auf Flo`s Speiseplan stand schon seit Jahren die Fußstein- Nordkante. Wenngleich klettertechnisch nicht schwierig anzuhören, ist dieser alpine „Pauseklassiker“ eine der schönsten Granittouren in den Zillertalern. Die Schwierigkeiten im Fels liegen je nach Variante bei 5 bzw. 5 +, stellen aber für den Vorsteigenden dennoch hohe Anforderungen, unter anderem weil für alle Zwischensicherungen selbst zu sorgen ist. Gleichfalls ist schon der Zustieg über den Gletscher und der Übergang auf den Fels eine ähnlich vollwertige challenge, wie auch der Abstieg über den Bruchhaufen, der sich SW- Grat nennt. Und überhaupt sollte die Steinschlaggefahr beachtet werden, da immer wieder

schöner Tiefblick...

schöner Tiefblick…

Schuttbänder in der Wand gequert werden…

Nach knapp zweistündigem Aufstieg auf die Geraerhütte (2.324 m) stellten wir zufrieden fest, dass außer uns nur zwei weitere Seilschaften die Kante am Folgetag begehen möchten. Perfekt! Wir verließen nach einem ausgiebigen Frühstück (danke an die sehr netten Wirtsleut für die grandiose Bewirtung auf ihrer super Hütte!) die Stube als Letzter, überholten die erste Seilschaft schon am Zustieg und die Zweite unmittelbar an der Startlinie beim Bergschrund. Das war Timing!
Flo ging die erste arschkalte Länge mit Eisgerät und Steigeisen an- die drei Eisschrauben waren Gold wert! Was nach der kurzen abschüssigen Querung an die Kante folgte, ist einfach beschrieben: ungemein geile Riss- und Plattenkletterei in meist bombenfesten Granit- traumhaft!
Länge für Länge spulten wir abwechselnd nach oben ab- lediglich unterbrochen von zwei kurzen Verhauern, die durch alte Normalhaken gekennzeichnet sind.

Flo in den unteren Längen...

Flo in den unteren Längen…

Die Stände saniert und mit jeweils zwei Bohrhaken versehen, waren die willkommenen Rettungsinseln nach einem längeren runout und Zeichen, am richtigen Weg zu sein.
12 herrliche Seillängen und 4,5 Stunden später standen wir sehr glücklich und zufrieden am Gipfel des Fußstein (3.380 m). Für Flo eine weitere „Pausetour“ und für mich DAS Kletterhighlight in 2015!

Sehr unangenehm der leider notwendige Abstieg über den brüchigen SW- Grat. Aneinander gereihte Schuttbänder sorgen für erhöhte Spannung hinsichtlich Steinschlag, und trotz einiger Abseilstellen am sehr gut markiertem Weg kam der Talboden einfach nicht näher. Gut zehn Stunden nach unserem Aufbruch ließen wir uns die ersten TAB`s auf der Sonnenterasse schmecken. Flo`s Knöchel kämpften ein wenig mit dem Schuhwerk- der Schuh gewann eindeutig… 😉 – der daraus resultierende Schmerz wurde daher mit viel Trinken bekämpft!

einfach herrlich...

einfach herrlich…

Satt und zufrieden fielen wir ins Bett, um andertags ein wenig zeitiger auf zu stehen, und Richtung Olperer und dessen „Bergführerweg“ in dessen Nordostwand zu ziehen.

Leider machte uns der dichte Nebel einen Strich durch die Rechnung: nach abenteuerlicher Überwindung des Bergschrundes über senkrechtes Eis und fragilen Schneegebilden („Hut ab, Flo“!) fanden wir den berühmten Einstiegshaken zu Beginn der Tour einfach nicht. Und da mittags die ersten Gewitter angesagt waren (die kamen aber dann doch nicht…) entschlossen wir uns schweren Herzens zum Rückzug.

DANKE, Flo!

DANKE, Flo!

Flo stieg dann noch alleine über den Nordgrat zum Gipfel rauf- ich verzichtete bei der Hälfte des Grates (woar eh scho im Frühjahr oben…).
Beim nun finalen Abstieg über 2.100 Höhenmeter zum Auto runter wurden wiederum alle Register gezogen: Bergsteiger überholt, Schuhe gewechselt, Biere getrunken, Mehlspeisen verzehrt, Hauspatschen verschlissen, Gschichtln erzählt und nächste Touren geplant.

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Rückzug am Olperer...

Rückzug am Olperer…

Fazit:
Eine supercoole Tour, die man nicht unterschätzen sollte. Die Zweierseilschaft nach uns kam nach 15 Stunden zurück zur Hütte, die Dreierseilschaft kam erst um zwei Uhr früh nach Hilfestellung beim Abstieg durch den Hüttenwirt Arthur Lanthaler nach 20 Stunden wieder runter.
Komplette Eisausrüstung ratsam bzw. unbedingt mitnehmen- mit nur einem Pickel für zwei Personen war`s sehr grenzwertig.
Und wenn man dann noch Crocs und den Gleitschirm für den Abstieg mit hätte, wär`s wirklich perfekt! 🙂

.h

hier gehts zum album und der Tourenbeschreibung…

Bericht und topo auf bergsteigen.at

Bericht auf rocksports.de

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hier gehts zu den Fotos von der Fußstein Nordkante:

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hier gehts zu den Fotos vom Olperer:

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Kategorien: Touren

4 Kommentare

Stephan · 26. August 2015 um 20:06

super Bericht!
Na ja, etwas früher wars schon. Nach 17 Stunden um 1/2 11 😉

Stephan (von der Dreierseilschaft)

PS: Wir hatten schon den Biwakplatz gefunden und das Zeug dafür auch dabei, aber Arthur Lahntaler war so nett uns runter zu lotzen. Auch an dieser Stelle nochmal – vielen herzlichen Dank dafür!

    admin · 29. August 2015 um 06:56

    Danke Stefan für die Korrektur! Haben gehört, dass ihr gut ausgerüstet und körperlich fit gewesen seid. Umso mehr der Hinweis auf die Ernsthaftigkeit der Tour: nicht zu unterschätzen und oft auch sehr lang… 🙂 Vielleicht sehen wir uns ein zweites Mal irgendwo mal in den Bergen! lgm

Flo · 25. August 2015 um 06:40

geil woars 🙂 Danke für das coole Wochenende 😎

    admin · 25. August 2015 um 15:54

    Ebenfalls! Das nächste Mal nehmen wir noch den GS mit… 🙂

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