Eistauchen in Sulden!

von Michl Kraeftner am 7.5.2014

Trotz der instabilen Wetterlage waren vergangenes Wochenende im Süden zwei perfekte Tage angesagt. Grund genug,  um unser Klumpert zu packen und einige Nordwände zu attackieren. Aber Erstens kommt es anders- und Zweitens als man denkt…

zu viel Neuschnee!

zu viel Neuschnee!

Samstag mittag kamen wir- Flo Thamer und ich- plangemäß in Sulden an. Ein rascher Wechsel auf die Tourenschi und rauf unter das Dreigestirn Königspitze, Zebru und Ortler zum Verhältnisse auschecken! Das Wetter bei der Anfahrt schon mehr als passabel, hingen aber gerade im Talschluß noch dicke, fette Wolken, die sich aber laut „Wetterguru“ Michl um 1430 Uhr auflösen werden…

Das Einzige, was sich um diese Zeit hingegen auflöste, waren unsere Besteigungsambitionen durch rund 40 cm feinsten Pulver ab 2.500 m Höhe. „So eine Sch…!“ Alles perfekt, aber der frische Neuschnee bescherte  uns eine für diese Wände unkalkulierbare Lawinengefahr. Undenkbar, ein hunderte Meter hohes „Kirchendach“ mit 60° Neigung bei diesen Bedingungen zu klettern!

die Königspitze Nordwand in ihrer ganzen Pracht!

Königspitze Nordwand…

Sonntag ging es daher bei herrlichem Wetter wieder unter der Königspitze (der Anblick der Nordwand war gleichzeitig herrlich wie schmerzhaft…) und der Casatihütte (3.269 m) vorbei auf den Cevedale (3.769 m), die Zufallspitze (3.757 m) und beim Retourweg auf die Suldenspitze (3.375 m). Gestört wurde diese herrliche Tour nur durch einige Tourengeher, die durch die steile Ostrinne auf die Königspitze stiegen (sollte die Lawinengefahr vielleicht doch nicht…). Doch Flo ließ gar keinen Einwand gelten und bestärkte unsere gestrige Entscheidung zur Vorsicht.

 Belohnt wurde diese Hochtour, die wir sauber vom Tal aus angingen (und KEINE Seilbahn benutzten 😉 ), mit einer fast 1.000 HM langen perfekten Pulverschneeabfahrt- und das Anfang Mai!

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ein Tourenschitraum!

ein Tourenschitraum!

Versöhnt mit der Welt, mit einem TAB (Tourenabschlussbier) in der Hand, bei perfekt gekochten Nudeln in Flo`s Camper und gemeinsam mit einigen Einheimischen, die uns am Parkplatz „heimsuchten“, ließen wir diesen sagenhaft schönen Tag ausklingen (Gott sei Dank hatte Flo einen ausreichenden Biervorrat mit 😉 )!

Für den Folgetag packten wir unser „schweres Gerät“, um der Vertainspitze Nordwand einen Besuch ab zu statten- einerseits, weil diese Wand in der unteren Hälfte Steileis von 80- 90° aufweist, und andererseits, weil der zweite, obere Teil flacher als die anderen Wände sind und ein Sichern im Eis durchgängig möglich ist. Doch knapp unterm Einstieg und nach Überquerung eines gefrorenen Baches saß plötzlich mein Freund und Bergpartner Flo,

sogar da kann man baden!

sogar da kann man baden!

der Begeher von unzähligen Kletterrouten, Eisfällen und Nordwänden, der Bezwinger der Eiger Nordwand im Winter, zitternd und frierend, halbnackt und wie ein Häufchen Elend vor mir auf einer gefrorenen Schneefläche, nachdem er in diesen „sch… Bach“ fiel!  Die Temperaturen schön weit unter NULL, froren seine nassen Sachen binnen Minuten an der Schneeoberfläche fest! 🙁

Hunderte Gedanken hat man vor so einer Tour: Wetter, Ausrüstung, Verpflegung, Eis- und Steinschlag, Lawinen und was nicht noch alles müssen bedacht und mit einbezogen werden. Aber doch nicht sowas!!!

Gott sei Dank konnten wir mit einiger Improvisation Flo trockene Socken basteln, und nach dem Umwickeln seiner Beine und Zehen

der unvermeidliche Retourweg!

…Retourweg!

mit einer Rettungsdecke, ging`s so schnell es möglich war, in waschelnassen Schuhen wieder runter ins Tal.

Bereits vormittags am Heimweg, beobachteten wir noch eine Seilschaft in der Ortler Nordwand, die gerade im Ausstiegsbereich unterwegs war. Und wieder kamen mir Zweifel: „ Waren wir so eine Hosenscheisserpartie, wenn Andere…..“? Doch als wir tags darauf von der Lawine am Ortler- Normalweg lasen, die eine Gruppe von 20 Tourengeher im Bereich der Trafoier Eisrinne erfasste (Gott sei Dank wurden nur Vier verschüttet und sofort wieder ausgegraben), wurde unsere gefasste Meinung leider bestätigt.

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Fazit: Vertraue deiner Intuition und Erfahrung, lass es lieber sein und nimm das nächste Mal einen Neoprenanzug und Schwimmflügerl mit! 🙂

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die Fotos könnt ihr hier sehen:

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2 Kommentare

  1. geil woars, Danke für die super Tage. Schreit ja nach einer Wiederholung, vielleicht ohne Eistauchen!!!
    🙂

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