Adamello Ski Raid 2011!

von Michl Kraeftner am 4.4.2011

Die Vorfreude auf dieses Rennen wuchs in den letzten Monaten ständig und schon bei der Anfahrt im Anschluß an das Rennen in Sexten wurde diese unerträglich. Was uns dort erwartete, übertraf hingegen alle unsere Vorstellungen…

Tom war 2006 bei der ersten Ausgabe dieser Veranstaltung dabei. Bedingt durch die große Höhenlage und Exposition der Adamello Gruppe spielt dort das Wetter die entscheidende Rolle. 2008 auf verkürzter Strecke ausgetragen, mussten die Organisatoren bis gestern warten, um wieder ein Rennen durchführen zu können, Und was für eines!!!

Bereits heuer war dieser Bewerb in den erlauchten Kreis der „La Grande Course“ Veranstaltungen aufgenommen worden und bildet mit den Rennen: „Pierra Menta“, „Tour du Rutor“, „Trofeo Mezzalama“ und „Patrouille des Glaciers“ die FORMEL 1 im Wettkampfschibergsteigen!

Wie bei den anderen Austragungen erfolgte noch am Vorabend eine ausführliche Materialkontrolle und Briefing. Und dann hieß es nur noch: Essen fassen und ab ins Bett!

Um 0400 Uhr läutete der Wecker. Frühstücken, Getränke abfüllen, ein letzter Materialcheck und rein in die Renndress waren die letzten Tätigkeiten vor dem Start um 0600 Uhr. Knapp 300 Zweierteams schossen pünktlich im Schein der Stirnlampen los- und der Tag begann, wie wir es uns erträumt hatten: Sonnenaufgang auf 2.500 m, wolkenloser Himmel, kein Wind und angenehme Temperaturen- PERFEKT!

Über die Cima Presena (3.069m), den Lago Mandrone, und Pian di Neve gings auf den Adamello (3.539 m). Über eine sagenhafte Steilrinne führte die Strecke zum Rifugio Garibaldi (2.548 m) runter und weiter auf die Cima Venezia (3.290 m), bevor es in die finale Abfahrt über 2.000 HM ins Ziel nach Ponte die Legno (1.250 m) ging. Insgesamt waren 42 km und 3.400 Hm zu bewältigen- und das alles ausschließlich im alpinen Gelände!

Von uns starteten zwei Zweierteams: Willi und Geri, sowie Tom und Michl. Neben dem AUSTRIA Alpin Team Hausmann/ Tod war nur noch Alex Fasser vom Nationalteam aus Österreich am Start. Wir vier gingen also im Wissen, das längste Rennen der Saison vor uns zu haben gemeinsam in den ersten Anstieg…

Das Duo Tom/ Michl verlor bei der ersten Abfahrt die Kollegen dann aus den Augen. Am Ende des zweiten Anstieges beim Anlegen der Steigeisen die erste Überraschung: Die Eisen passten nicht auf den Rennschuh von unserem Teamchef! Hat doch dieser D…l vergessen, diese VOR dem Start zu kontrollieren. Tom brachte das aber in keinster Weise aus der Ruhe, holte seinen Leatherman aus der Tasche und fünf Minuten später konnte es schon wieder weiter gehen. Danke- Tom! Angeseilt ging es nun über den Adamello Gletscher zum Gipfel. Die Entfernungen sind unendlich und man glaubt einfach nicht, dort jemals auch hin zu gelangen. Ein äußerst selektiver, mit Seilen versicherter Abstieg zu Fuß vom Gipfel brachte uns zum Beginn einer Rinne, die runter zum Rifugio Garibaldi führte. 45° Steilheit, ein paar Kletterseile zur Sicherung fixiert, konnte man seitlich abrutschend diesen Abschnitt nicht gnz ungefährlich hinter sich bringen. Undenkbar wäre so eine Passage in Österreich!

Der letzte Anstieg rauf zur Cima Venezia bei großer Hitze verlangte dem Körper noch mal alles ab. Schon bei der Querung über den flachen Adamello Gletscher war ein kontinuierlicher Seilzug für Michl sehr hilfreich. Nach dem Ablegen des Kletterseils kam unser bewährtes Gummiseil zum Einsatz: Tom wurde zum „Lastesel“ und erleichterte es mir, Schritt zu halten- Eigentlich aber doch nicht: Schritt halten war ein Hilfsausdruck und für kurze Dialoge oder Antworten fehlte mir sowieso die Luft! 🙂

Fantastisch dann die letzte über 13 km führende Abfahrt: Ohne auch nur einmal stehen zu bleiben zogen wir das Ding durch, schnallten in Ermangelung von Schnee mal „kurz“ für ca. 2 km die Bretter ab und beendeten im Laufschritt (wir amputieren uns heute unserer lädierten Zehen) in 7 Std 19 min dieses Rennen!

Das Duo Witsch/ Geri verlor zwar auf der ersten Abfahrt die Kollegen aus den Augen, konnten aber durch das „Steigeisendilemma“ der anderen wieder aufschließen. Knapp hinter einander liegend wurde auch die angeseilte Abfahrt zum Adamello Gletscher gemeistert. Perfekt auf der Strecke verteilte Posten wachten auf die Einhaltung der Regeln. Zum Adamello rüber mussten sie erstmals der großen Höhe Tribut zollen und das Tempo verlangsamen. Hier ist auch der große Nachteil zu den „Westälplern“ zu bemerken. Wo unser Training auf ca. 2.000 m aufhört, beginnt es für die Kollegen im Westen erst! Die fehlende Anpassung für so ein Rennen macht sich dann doppelt bemerkbar- wir wackeln oft mehr vorwärts, als wir gehen (oder laufen) 🙂

Witsch hatte als der schwächere Abfahrer von uns Vier natürlich noch mehr mit den Tücken der Strecke zu kämpfen, machte seine Sache aber sehr gut. Wenn ihm so ein Bewerb vor fünf Jahren passiert wäre…

Am letzen Anstieg rauf ließen die beiden gegenüber Tom/ Michl ziemlich „Federn“, sind sie doch ähnlich gleichwertig trainiert und haben nicht das Glück, ein „Zugpferd“ zu haben. Auch auf der Abfahrt zum Ziel verloren sie etwas Zeit auf die Freunde und finishten so mit 8 Std 12 min.

Unvorstellbar die Zeiten der Sieger:

Giacomelli/ Holzknecht siegten in 4 Std 30 min bei den Männern

Miro/ Roux siegten in 5 Std 17 min bei den Damen- bei den Männern ist das der 15 Gesamtrang!!!!!

Bei 22 ° C im Ziel die geschundenen Knochen massieren, das unvergleichliche Panorama der Adamello Gruppe in sich aufsaugen, den Flüssigkeitshaushalt wieder in Ordnung bringen und zusammen packen waren die nächsten Tätigkeiten, bevor wir uns an die lange Heimreise machten. 21 Stunden nach dem Wecken fielen wir dann jeder in seinem Zuhause in die Betten. Und schließlich wird ja auch Montags gearbeitet…

Ab sofort werden die Schi bis zur nächsten Rennsaison eingemottet- nur Witsch wird noch den Schneeberg unsicher machen, bis die letzte Schneeflocke geschmolzen ist.

Platzierungen und Zeiten sind bald vergessen- es bleiben die unauslöschlichen Eindrücke und Erlebnisse mit den Freunden im Gedächtnis. Das erfolgreiche gemeinsame Absolvieren sportlicher Herausforderungen, die wir so suchen und schätzen, sind die Dinge, die bleiben und die uns keiner mehr nehmen kann!

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die Fotos könnt ihr hier sehen…

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Adamello Ski Raid 2011:

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