Ödsteinkante 2016!

Seit unserer legendären Hochgolling Nordwandtour waren gut fünf Monate vergangen, als mich Christian Holzer anrief und mir einen lupenreinen Felsklassiker im Gesäuse schmackhaft machte…

der Gr0ße Ödstein...

der Gr0ße Ödstein…

Paul Preuß bezeichnete den Großen Ödstein als den „König unter den Königen“. Die Besteigungsgeschichte ist gleichsam legendär wie tragisch, war die Kante doch um 1900 eines der ganz großen letzten „Felsprobleme“ in den Ostalpen.

Am 28.08.1910 gelang es unter Führung von Angelo Dibona die Schlüsselstelle zu knacken. Er eröffnete mit seiner Variante einen Weg durch diese Wandflucht  und ermöglichte so den Zutritt zum oberen, leichteren Wandbereich. Noch bemerkenswerter die freie und kühne Wiederholung durch den Alleingeher Paul Preuß, der mit dem „Preußquergang“ eine neue Linie fand, die auch heute noch sehr speziell ist. Und genau dort stürzte auch der berühmte Gustav Jahn 1919 in den Tod…

...mit dem Preußquergang...

…mit dem Preußquergang…

Nach dem Studium einschlägiger Lektüre war somit klar, dass auch diese Kletterei mit Christian kein „Kindergeburtstag“ werden wird. Alles in Allem ist die Tour mit rund 13 Stunden beschrieben.

Nach dem Abmarsch um 0600 Uhr ging`s gleich mal sausteil und fast weglos durch den Wald nach oben. Im folgenden Ödsteinkar wird die rote Markierung etwas besser. Beide fanden wir den Einstieg nach 1 Std 45 min in die Route und den ersten Haken fast gleichzeitig. Die Felsqualität in der gesamten Tour ist selten sehr gut, die meiste Zeit brüchig und verlangt eine Portion Erfahrung und Gespür. Genauso verhält es sich mit der Routenfindung- typisch alpin und klassisch halt! 😉

Hubert Peterka im Gesäuse...

Hubert Peterka im Gesäuse…

Nach der ersten großen Rechtsquerung in der Wand wartete eine sehr schöne Verschneidung auf Christian, die er souverän meisterte. Die nächsten sieben Seillängen führte ich am laufenden Seil bis direkt unter die erste Schlüsselseillänge. Lasst euch aber nicht von der geringen Bewertung in diesen Längen täuschen- da muss man oft ganz schön zupacken! Steile Plattenkletterei und griffige Überhänge dominieren dann in den beiden Schlüsselseillängen. Die nachfolgend große Linksquerung wieder im Bruch (bitte nicht irgendwo nach rechts tendieren), wechselte der Fels wieder auf die gute Seite. Die luftigen Ausstiegsrisse waren toll zu klettern!

Nach bereits vier Stunden Kletterei saßen wir gemeinsam am Gipfel (2.355 m) bei einer traumhaften Fernsicht. Wir ließen uns Zeit und Christian als „local“

Paul Preuß am Totenkirchl...

Paul Preuß am Totenkirchl…

beschrieb mir das umwerfende Panorama. Der Abstieg über den Kirchengrat sollte nochmal ernst genommen werden. Zahlreiche Abkletterstellen und brüchiges Schrofengelände lassen dort keinen Ausrutscher zu. Weitere zwei Stunden später fand diese Megatour einen standesgemäßen Abschluss bei einem TAB im Gasthof Bachbrücke.

Danke Christian für`s hartnäckig sein! 😉

Titelbild: Franz Hintersteininger- www.fotocommunity.de

Übersichtsbild der Schlüsselstelle von www.bergauf.jimdo.com

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die Fotos könnt ihr hier sehen:

 

7 Kommentare

  1. Coole Tour ! Möglicherweise magst zu meinem Vortrag kommen und auch ein paar Anekdoten einbringen:

    http://gebirgsverein.at/gebirgsverein/news/details/detail_vortraege.php?newsId=7620

    LG Thorsten

  2. admin

    Bemerkung zur 15 SL von Christian Holzer: “Diese ist links neben dem ersten Normalhaken einfacher zu klettern, den oberen rostigen Haken am besten auslassen und links bleiben, der hält sowiso nichts mehr.”

    Genau, das ist die erste SSL. Der beschriebene rostige Haken steckt unterhalb eines kleinen Überhangs gut sichtbar- ist aber für die beste Linie zu weit rechts geschlagen. Also auslassen und links bleiben!

  3. hoast die ned verkoffert? … Super gmoacht 🙂 und spitzen Zeit 🙂

    • admin

      Burli!———-sicher hob i mi verkoffert! In Ermangelung eines präziesen topos stieg ich prompt nach dem großen Linksquergang im oberen Drittel zu früh nach rechts. Warum glaubst, hab ich einen “Verhauerhaken” beschrieben? Den hob i durt gfunden! 🙂 Aber im Abklettern bin ich seit unserem Cortina Trip ja schon fast perfekt. Und wennst du mal ausgeschlafen und ausgeruht bist, geht die Tour so richtig auf Druck in 3,0 Stunden! 🙂

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