von Michl Kraeftner am 6.5.2016

Am 25. Juli 1985 durchkletterte Christophe Profit die Nordwände von Eiger (knapp sieben Stunden), Matterhorn (vier Stunden) und Grandes Jorasses (vier Stunden) in insgesamt 22,5 Stunden. Zu den Einstiegen gelangte er per Helikopter, den Abstieg absolvierte er am Gleitschirm. Dieser Virus schlug voll bei mir ein…

im Einstiegsbereich...

im Einstiegsbereich…

Am 5. Mai 2016 stand ich mit Dani Arnold bei der Station Eigergletscher. Schon auf den ersten Metern beim Zustieg wurde klar, dass das folgende nichts für Weicheier werden wird 😉 . Der erst vor knapp zwei Tagen gefallene Neuschnee war mehr, als wir vermutet hatten. „Wird schon gehen- im unteren Teil ein wenig spuren und wühlen. Und je weiter rauf wir kommen, umso besser wird`s!“, sagte Dani, der es ja wissen musste. Als wir eine Stunde später eine Spur vom Vortag beim Einstieg antrafen, keimte kurz bei mir Hoffnung auf Besserung auf. 50 Höhenmeter später waren wir auf deren Umkehrpunkt angelangt und eine jungfräuliche, verschneite Wand lag

im Eisschlauch...

im Eisschlauch…

vor uns. „Wir gehen von ganz unten und geschenkt wollen wir ja nichts“ hatte Dani in seinem letzten mail geschrieben. Und da traf er bei mir ja auch voll ins Schwarze! 🙂

Der heurige Winter war bezüglich notwendiger guter Wandverhältnisse ja ein Witz: Kein Schnee zu Beginn, kein Niederschlag schon im Sommer und Herbst davor und gepaart mit unstabilem Wetter waren alles andere als gute Voraussetzungen in den Nordwänden und ließ zudem eine Terminfindung zur wahren Herkulesaufgabe werden. Doch nun war es soweit- fünf untrennbar elementare Punkte wuchsen plötzlich zusammen: Partner, Zeit, Wetter, Wandverhältnisse UND Windverhältnisse passten!

Bis zum Stollenloch bzw. dem schwierigen Riss noch immer sehr tiefer Schnee. „Je weiter rauf wir kommen, umso besser wird`s!“ Der Hinterstoisser Quergang und

a Wurschtsemmel!

a wödklasse Athlet mit Wurschtsemmel!

der nachfolgende Eisschlauch waren ein Genuss. Sechs Stunden nach unserem Einstieg waren wir beim berühmt berüchtigten Todesbiwak angelangt. Kurze Pause an dieser denkwürdigen Stelle und der Weltklasseathlet Dani zog sich zuerst eine Wurstsemmel und dann ein Sackerl Fruchtgummi rein! Aha! Wieder was gelernt… 😉

Wir hatten noch genug Zeit, um höher zu steigen über die so klingenden Abschnitte wie Rampe, Wasserfallkamin, Rampeneisfeld, brüchiges Band und brüchiger Riss zum Beginn des Götterquerganges. Dani beim Klettern zuzusehen, war ein Erlebnis für sich. Sich so sicher und leicht bewegen zu können, ist schon fast kitschig…. Eis war nach wie vor Mangelware und der Fels in den flacheren Abschnitten mit viel lockerem Schnee bedeckt. „Aber weiter oben wird`s besser“!

„PENG!“ Kurz wurde mir schwarz vor Augen. Als ich diese wieder öffnete, tropfte

ein Eierpeckerl...

ein Eierpeckerl…

bereits das Blut munter in den Schnee unter mir. Ich hinterließ eine ziemliche Sauerei da am Standplatz unter dem Wasserfallkamin. Ein Eisbrocken traf da perfekt ins Schwarze.

Weitere vier Stunden später genossen wir ein unheimlich schönes Biwak im Götterquergang mit einem Sonnenuntergang zum Niederknien. Die Entscheidung, die Tour von Beginn an auf zwei Tage aufzuteilen, war goldrichtig. Kein Stress, genug Zeit für`s Klettern und vor allem, zu genießen. Rennstress für mich hier wäre völlig fehl am Platz.

in der Spinne...

in der Spinne…

Als es hell wurde, waren wir schon wieder unterwegs. Wir passierten die Spinne, den Quarzriss, das Corti Biwak, die Ausstiegsrisse und das Gipfeleisfeld. Und um 1100 Uhr standen wir dann am Gipfel! „Jetzt waren wir also ganz rauf gekommen, aber besser ist es nicht gerade geworden.“ Was für die Wandverhältnisse sehr wohl stimmte, aber nicht für die gesamte Tour! Wir saßen am Gipfel des Eiger (3.970 m), Grindelwald unter uns, ein sattes Tiefblau ober uns, das Berner Oberland vor uns, unzählige Viertausender hinter uns und der Mont Blanc fast neben uns. Wo kannst du sowas schon sehen!

am Gipfel!

am Gipfel!

Nur der leichte Südostwind kam um ein paar Stunden zu früh…

Der zweistündige Abstieg über die Westflanke war einfach, aber zäh, da im unteren Abschnitt hüfttiefer Sulz auf uns wartete. Die Aussicht auf einige TAB`s auf der kleinen Scheidegg verliehen uns dann trotzdem noch Flügel. Ein großes „Vergelt`s Gott“ unserem Herrn und ein großes „Dankeschön“ an meinen Partner Dani, der mich alten Sack ans Seil genommen hat! 😉

Vor über dreißig Jahren durchstieg Christophe Profit die Eiger Nordwand und flog mit dem Gleitschirm zu Tal.

„first step is done…“

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weiterführende Infos zur Heckmair Route am Eiger sind hier zu finden:

von einem mir nicht ganz unbekannten Typen…

sehr ausführlich und informativ bei rocksports…

a moaddsgaude bei den moaddsgaude…

und noch was von freiluftleben.at…

eine sehr gute Beschreibung und ein perfektes topo findet ihr hier…

 

und dann natürlich noch das Rekordvideo von Dani Arnold:

 

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(fast) alle Fotos by dani arnold!

die Fotos vom ersten Tag  könnt ihr hier sehen:

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die Fotos vom zweiten Tag könnt ihr hier sehen:

Kategorien: Touren

8 Kommentare

Dieter Koehler · 15. Mai 2016 um 06:23

Hi Michael
That was awesome and super cool. Sigrun got sweaty hands just by watching the pictures. And I have to admit I feel safer looking down from 14,000ft at Half Dome or the other peaks in Yosemite than climbing those.
Dieter and Sigrun

    admin · 15. Mai 2016 um 11:28

    Hi Sigrun and Dieter!
    Nice to hear you! Yes, it was an awesome climb and i`m very proud of this. Planning to fly from the top was actually dangerous there because in the wrong wind directon. Sometimes Petra and i should see Half Dome and the other peaks in Yosemite… I`m very pleased, that you follow our page and our activities! michl

Eva · 11. Mai 2016 um 07:15

a Wahnsinn… Gratuliere! Aber hast mich gar nicht vom Rimpfischhorn rüberwinken gesehen?? LG Eva

    admin · 11. Mai 2016 um 13:04

    Sicherlich! Konnte mit meinem demolierten linken Auge nur nicht erkennen, dass du das warst… 🙂 Ist einen mördergeile Gegend dort, oder? lgm

Martin Gansterer · 10. Mai 2016 um 08:04

Gratuliere Michl,
Geniale Tour und super Pix. Ich war an jenem Wochenende auf gemütlich in der Nähe im Lauterbrunnental unterwegs.
LG Martin

    admin · 10. Mai 2016 um 19:50

    Danke, Martin! Die Gegend dort ist einfach herrlich! Hoffentlich sehen wir uns heuer mal. lg michl

Flo · 10. Mai 2016 um 07:09

Gratuliere!!! Träume leben. Träume verwirklichen das gehört zu den großen Dingen im Leben. Bergheil & super gmocht ☺

    admin · 10. Mai 2016 um 07:42

    Diesen Traum zu realisieren hätte ohne deine Freundschaft und Ausbildung in den letzten zehn Jahren nicht funktioniert! Danke, Flo! 🙂

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