Pfiat di, Burli!

Florian Thamer- 7.7.1976 bis 12.2.2017

Im vollen Bewusstsein, dass der Nachruf über einen nahestehenden Menschen immer eine sehr subjektive Sichtweise ist und in keinem Falle alle Facetten des gesamten Lebens beinhalten kann, ersuche ich um Verständnis bei allen, die diesen- alpinistischen- Nachruf über meinen Seilpartner, Freund und Weggefährten Flo für lückenhaft und unvollständig halten…

Ortler NW…

August 2006 – ich suchte verzweifelt nach einem Partner für eine Nordwandunternehmung, stieß zufällig auf einen Namen im Netz – Florian Thamer – und begann, eine e-mail zu schreiben…

Über ein Jahrzehnt später, nach hunderten gemeinsamen Unternehmungen und geprägt von einem Menschen, der es vortrefflich verstand, aus mir so etwas wie einen „Bergsteiger“ zu machen, ringe ich noch immer um Fassung und versuche, meine Gedanken zu ordnen und nieder zu schreiben.

Wir waren von Beginn an ein optimales Gespann. Flo, der erst mit 25 Jahren die Begeisterung für das Klettern entdeckte und voll in diesen Sport hineinkippte, war immer der große Lehrmeister in Fels und Eis. Unbeugsam in

Vertainspitze NW…

seiner Meinung, unerbittlich in der richtigen Handhabung von Seil und Material, gab er mir und einer ganzen Schar von anderen Kletterern das entsprechende Handwerkzeug für den weiteren sportlichen Lebensweg mit.

Gleichzeitig hatte Flo immer ein Lachen im Gesicht und seine Fröhlichkeit und gute Laune steckte jeden an. Er schöpfte seine unendliche Kraft und Motivation gleichsam aus dem Erlebten am Berg wie aus seiner Beziehung mit Bernadette, die er schon jahrelang kannte und liebte, und die er schließlich auch vor zwei Jahren heiratete. Seine Liebe zu ihr war echt und authentisch und unzählige Male betonte er die Wichtigkeit seiner Beziehung, aus der auch zwei Jungs hervorgingen.

Lyskamm NW…

Wir sprachen über den Tod am Berg und reflektierten alle uns bekannten Unfälle oder Grenzsituationen, um daraus zu lernen. Einhellig waren wir der Meinung, dass das Risikobewusstsein der Menschen in allen Lebenslagen steigt und in bedenkliche Höhen führt. Flo arbeitete hier mit seiner bestimmten Art und Zielstrebigkeit ganz bewusst dagegen: „Lieber einmal mehr umdrehen als einen Unfall riskieren“ waren seine treffenden Worte dazu.

Planung war alles bei ihm und die Kontaktaufnahme seinerseits sah sehr oft so aus:“ Was mach ma am Wochenende? Wir brauchen einen Plan!“ Dazu gehörte immer auch ein Plan B: „Wenn du nur einen Plan A hast, und es passen dann die Verhältnisse nicht, drehst du umso schwerer um und verzichtest

Dufourspitze…

nicht auf die Tour“ war sein Credo und danach lebte er.

Sein Lieblingswort schlechthin war „Redundanz“. Flo´ s Standplätze am Berg waren gleichsam legendär wie gefürchtet- wie oft hat er seine Standplätze fotografiert und versucht, sie zu verbessern. Als Partner konnte man nicht immer seine hohen Ansprüche diesbezüglich voll befriedigen. Der Lerneffekt aber war gewaltig. Fünf Sekunden Aufenthalt am Standplatz waren vier Sekunden zu viel für ihn. Doch wenn nach einer Tour alles gepasst hatte, war er voll des Lobes für seine Partner!

Flo brauchte lange, um sich auf die zuletzt für ihn so wichtige und zentrale Fliegerei einzulassen. Jahrelang beobachtete er mich- und erkannte sofort,

Cevedale…

dass dieser Sport nichts ist, was man „so nebenbei“ betreiben kann und darf. Er kämpfte lange mit sich und dieser Entscheidung, bedeutete diese ja auch einen Verzicht auf andere Dinge, die er am Berg so liebte. Der Traum eines abschließenden Fluges ins Tal nach einer geglückten schweren Bergfahrt rückte immer mehr ins Zentrum seiner Gedanken. Ich konnte nun so vieles zurückgeben, was er mir in den Jahren zuvor als „Mentor am Berg“ beigebracht hatte- ich wurde zu seinem (Zitat): „Flugmentor.“

Flo musste sich plötzlich unterordnen und lernen, dass es (lebens) wichtig war, auf andere zu hören. Umso stolzer war ich, dass er das bei mir akzeptierte, annahm und versuchte, das Gehörte auch umzusetzen. Flo war diesbezüglich wissbegierig und entschlossen, all das zu tun, was ich sagte. Ging`s mal mit

Grossglockner…

Kilian zum Baden, war garantiert eine Stunde „Schirmhandling auf der Nachbarswiese“ dabei!

Flo´s Erfolge am Berg sind zahlreich und gut dokumentiert auf seiner homepage, die auch immer mehr zur Inspiration und Ermunterung für manch andere Bergsteiger wurde und ist.

So vieles könnte ich noch berichten, so viele G`stanzln und G´schichtln erzählen… Ein Zitat des Dalai Lama passt wohl sehr gut zu ihm:

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Es gibt nur zwei Tage im Jahr, an denen man so gar nichts tun kann:

Der eine heißt GESTERN, der andere heißt MORGEN.

Also ist HEUTE der richtige Tag um zu lieben, zu glauben, zu handeln und vor allem-

Zu LEBEN!

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die Fotos könnt ihr hier sehen:

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Eine Laterne am Kaiserstein 2017:

3 Kommentare

  1. admin

    Hab lange überlegt, ob ich es posten soll: Das mail von HansJörg Auer möchte ich euch nicht vorenthalten-

    lieber michl,

    gestern hat mich einer meiner freunde angerufen und gemeint, dass florian verunglückt sei.
    ich sagte ihm, dass ich keinen florian kenne, dem das passiert ist.
    doch meinte er, und schickte mir das foto von uns am piz ciavazes.
    für einen augenblick stand alles still und ich konnte es nicht fassen.

    ich habe florian ja nur einmal getroffen. aber ich erinnere mich noch genau mit welch einer freude, ehrlichkeit und lieblichen art er mir sein wasser anbot.
    ich hatte das gefühl er war sehr glücklich dort oben, wusste er wird gleich seinen schirm auslegen, drei, zwei, eins und mit den vögeln um die wette fliegen.

    einen engen freund zu verlieren schmerzt unglaublich. auch wenn die tage im moment sehr hart sind, die zeit wird für dich sein.
    die erinnerungen an die gemeinsamen momente werden stärker und intensiver für dich werden und er wird einen ganz besonderen platz in deiner seele einnehmen.

    als ich vor knapp zwei jahren dasselbe erfahren musste, hat mir ein freund aus amerika diese zeilen geschickt.
    ich hoffe sie werden auch dir und euch allen die florian gut kannten, helfen:

    “Right now your grief is this giant gaping hole with sharp edges, but as you move forward in life the edges soften and other beautiful things start to grow around it…flowers and trees of experiences.
    The hole never goes away, but it becomes gentler, a sort of a garden in your soul, a place you can visit when you want to be near your love.”

    mein aufrichtiges beileid und tiefes mitgefühl gilt euch allen, besonders dir und der familie von florian.
    hansjörg

  2. Michl – ich finde, das hast du schön geschrieben. Flo hätte das bestimmt so gefallen. Besonders die Bedeutung von Seilhandling und Standplatz Speed habe ich ja selbst nur ein paar wenige Male mit Flo zusammen live erleben dürfen, ist mir aber in einprägsamer und dauerhafter Erinnerung geblieben.

    Diese Woche wollte er mich nach längerer Zeit einmal wieder auf eine seiner “early morning sessions” am Schneeberg mitnehmen.

    Ich suche für mich noch immer nach einem Weg, wie ich mit dieser Situation umgehen soll.

    • Danke, Felbi! Ja- der Flo konnte unerbittlich sein! Manch Streiterei und nachfolgende Versöhnung war genauso dabei, wie unbändige Zielstrebigkeit und Lebensfreude. Und genau daran sollten wir festmachen und versuchen, es ihm gleich zu tun: es gibt so viel zu erleben- packen wir`s an! 🙂 lgm

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