Dolomiten Tripp 2017!

 

29. Juli bis 7. August 2017

Eine unglaubliche Woche liegt nun hinter mir, und ich versuche meine Eindrücke und Gedanken zu sortieren. Zu intensiv, zu erlebnisreich und emotional, zu schnell ein highlight nach dem Anderen, (fast) zu viel für mich…

Blade Runner, VII

Als Chris Draxler und ich unsere Woche planten, konnten wir nicht ahnen, was alles da an Touren klappen wird. Zu unberechenbar das Wetter, zu unplanbar solche Dinge. Wir hatten offenbar den Jackpot geknackt!

Um am Anreisetag nicht nur im Auto zu sitzen, legten wir kurzerhand einen Zwischenstopp im Höllental ein. Na ja: eigentlich fuhren wir zuerst die 45 Minuten ins Höllental und fuhren dann erst los… 😉 . Die Absurdistan im 8. Schwierigkeitsgrad und mit 200 Meter Höhe war gerade recht zum Einklettern!

Nach einer leicht verregneten langen Nacht am Pordoijoch und einer sehr gewittrigen Wettervorhersage starteten wir unseren zweiten Tag gemütlich

Fedele mit Dibona Ausstieg, V

im Sportklettergebiet oberhalb von Colfuschg an den Wänden der Parte Oscura della Luna. Blade Runner heißt die Tour im 7. Schwierigkeitgrad und führt durch wirklich tollen Fels knapp 200 Meter in den Himmel. Aber es wurde 1300 Uhr und kein Gewitter war zu sehen. Es wurde 1400 Uhr bei strahlendem Sonnenschein. Um 1500 Uhr wurde es uns zu blöd und fuhren mit der Seilbahn auf den Boe zu einem ersten Tandemflug. Rechtzeitige Abschattungen verhinderten einen langen Flug. Doch der zweite Start des Tages um 1600 Uhr war dann der Hammer: wir kratzten in wenigen Metern Abstand zu den Felswänden der Sellagruppe über eine Stunde herum und hatten die größte Freude damit!

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abseilen nach der Comici, VII von der grossen Zinne

Trotz eines gewaltigen Gewitters in der Nacht stiegen wir am dritten Tag in einen wahren Klassiker ein: den Campanile Comici- Salami in der Langkofelgruppe im oberen 6. Schwierigkeitsgrad. Diese Tour war die letzte Erstbegehung 1940 von Emilio Comici und zeigt noch heute sein Ausnahmekönnen durch besten Fels und einer gewaltigen Linie. So eine fetzengeile Tour hatten wir uns nach soviel nächtlichem Wasser nicht gedacht! Den Abstieg verkürzten wir uns mit einem unmittelbar vor Ort geliehenen Tandemschirm- „vui lässig gsi und ka Schmäh!“ 🙂

Wir blieben in der Gegend, wechselten über das Sellajoch und versuchten uns am vierten Tag in der Fedele in der Pordoi Westwand. 1929 von Angelo Dibona erstbegangen, führt dieser fast 1000 Meter hohe Klassiker im unteren 5. Schwierigkeitsgrad mitten durch diese gewaltige Wand. Immer ein wenig

Chris Draxler in der Petri Heil, VII

nass, war es eine willkommene Abkühlung in dieser soo heißen Woche. Flott waren wir durch und leisteten uns zur Feier des Tages den Abstieg mit der Pordoi Seilbahn. „I waß eh- faule Säcke san wir zwa!“ 😉

Chris hatte es gerochen: am fünften Tag war erstens mal eine g´scheite Körperpflege angesagt und zweitens hatten wir einen Hammertag erwischt. Den einzigen Kletter- Pausentag wollten wir mit einem Rundflug und einer genauen Besichtigung unserer gestrigen Tour krönen. Und es passte wie die Faust auf`s Auge: vom Col Rodella führte uns unser Tandemflug über die Grohmannspitze auf 3500 Meter rauf, zu den Sellatürmen und zum Pordoi rüber und wieder retour. Sagenhafte Tiefblicke, unglaubliche Einblicke in die Felswände und unbegrenzte Ausblicke zum Horizont und noch weiter waren unser Lohn! Ein einzigartiges Glück! 🙂

Stefan Kopeinig in der Wolkenreise, VII

Am sechsten Tag dann für mich der Tag der Wahrheit: ein schon zur Seite gelegter Bubentraum sollte in Erfüllung gehen. Das obligatorische Gewitter in der Nacht störte uns mittlerweile nicht mehr. Doch immer wieder überraschend, dass der Dolomitenfels soo rasch trocknet! Zeitig aufgestanden und bereits um 0445 Uhr am Einstieg der Comici an der großen Zinne Nordwand stiegen Chris und ich als erste Seilschaft durch dieses überhängende Bollwerk aus Stein: eine grandiose Linie durch diese so abweisende Nordwand machte Emilo Comici 1933 mit dieser Erstbegehung im 7. Schwierigkeitsgrad so richtig berühmt. Ein sehr emotionaler Moment am Ausstieg dieser Tour war gleichzeitig Beginn einer abenteuerlichen Abseilfahrt an der überhängenden Westseite dieses Berges- leiwand! 🙂

Am siebten Tag war die Zusammenkunft mit Peter und Hans am Misurinasee

Peter und Has haulen, was das Zeug hält

geplant. Schwere Gewitter in der Nacht, neuerliches zeitiges Aufstehen in der Früh und ein mentaler Durchhänger ließ uns beide eine Vereinbarung treffen: der Erste von uns, der sagt, er will nicht mehr, hat Recht und wir werden abseilen… Der Zustieg unter der Nordwand der westlichen Zinne zur Neuroute Petri Heil im unteren 8. Schwierigkeitsgrad aus 2016 ging ja noch ganz gut. Nach der vierten Seillänge ein von mir zaghaftes: „I wüll nimma“. Nach der siebten Seillänge dann aufmunternde Worte von Chris. Und nach der 16. Seillänge am Ringband war`s auch schon wurscht- Danke Chris für deine motivierenden Worte: die 19 Seillängen direkt zum Gipfel waren ein weiteres highlight! 😉 

Peter Manhartsberger hatte gemeinsam mit Stefan Kopeinig an den Campanile di Misurina eine Neutour im 7. Schwierigkeitsgrad eingerichtet. An

Geschafft!

unserem achten Klettertag sollte die erste Rotpunktbegehung stattfinden. Grundsätzlich was Besonderes, hatte sich Peter noch was viel Genialeres einfallen lassen: er möchte diese Linie unserem im Februar verstorbenen Kletterfreund Flo widmen:  die Wolkenreise- Florian Thamer Gedächtnisweg führt durch 200 Meter senkrechten Fels auf ein unglaublich schönes Platzerl rauf. Und weil Peter keine halben Sachen macht, hat auch sein Onkel Anda eine 45 Kilogramm schwere Steinskulptur geschaffen, die wir da raufbringen sollten! Unser Video zeigt nur ansatzweise, welche Arbeit das war! Und als hätte Flo uns zugesehen und mitgeholfen, zogen Nebel und Wolken um die Gipfel und verwandelten die Szenerie in eine unwirkliche Schönheit. Es ist ein guter Platz da oben, Flo!

Stefan, Hans, Michl, Chris und Peter

Ein Bad im Misurinasee unter „seiner“ Wand, ein paar TAB`s (Tourenabschlussbiere), einer Pizza und jede Menge Geschichten später ließ uns rechtschaffen bei mittlerweile sintflutartigen Regenfällen in unseren Schlafsäcken einschlafen… Nur komisch, dass in der Früh keine Autos auf der Strasse zu hören waren: Muren hatten in der Nacht sowohl die Strasse nach Toblach, als auch den Passo Giau verlegt…

Ein großes Dankeschön an meinen Freund und Kletterpartner Chris für seine Geduld und „für´s auffi zahn“!

Ein „Vergelts Gott“ an Peter und Stefan, dass ihr uns und Hans bei eurer Erstbegehung mitgenommen habt!

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Möge uns unser Herrgott bei allen unseren Touren begleiten und wieder gut zu unseren Familien zurückbringen- keiner von uns möchte nochmal einen Gedenkstein montieren…

 

hier gehts zu ein paar lässigen videos von dieser Woche:
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Wolkenreise 2017:

 

Grosse Zinne- Comici 2017:

 

Pordoi- Fedele 2017:

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